Immer öfter erlebt man, dass Menschen in eine Position aufrücken oder Aufgaben übernehmen, die sie eigentlich gar nicht möchten, in die sie sich drängen lassen. Nicht selten stellt sich bald eine Überforderung ein. Die Menschen werden unduldsamer, unternehmen kaum noch etwas mit Freunden oder der Familie und es äußert sich auch gesundheitlich. Vielen geht nach der Einsicht und der Umkehr wesentlich besser. Doch leider treffen viele den Entschluss zu spät.

Pause auf der Karriereleiter – Was tun, wenn ich nicht befördert werden will?

Frau Barsch, was tue ich, wenn ich mich wohlfühle im Job so, wie er ist? Wenn mich mehr Geld und Anerkennung gar nicht lockt, weil vielleicht die neue Aufgabe mir nicht liegt?

Petra Barsch:  Dann sollten Sie die Beförderung ablehnen. Niemandem ist geholfen, wenn Sie Aufgaben übernehmen, die Sie nicht wollen, die Ihnen nicht liegen. Begründen Sie die Anfrage gegenüber Ihrem Vorgesetzten fundiert, wird Ihnen das auch in Zukunft nicht zur Last gelegt.

Kann es vielleicht auch sein, dass ich mich erstmal mit der neuen Aufgabe anfreunden muss und es am Ende gar nicht so schlimm ist, wie ich vielleicht denke?

Petra Barsch: Natürlich kann auch das sein, sie sollten es nur genau überlegen. Was genau kommt wirklich auf Sie zu? Was bedeutet es für Ihre Zeit? Können Sie dadurch Aufgaben, die Sie gern und gut erledigen nicht mehr ausüben? Reden Sie mit jemandem, der einen ähnlichen Job bereits macht und informieren sich genau über die neuen Aufgaben, Verantwortungen und wägen Sie gründlich ab.

Glauben Sie, dass vielleicht immer mehr Menschen auch raus wollen aus der Leistungsspirale und sagen: so reicht mir das, ich bin zufrieden, mehr Geld brauche ich nicht, mir ist beispielsweise Freizeit wichtiger?

Petra Barsch: Ja, das glaube ich aber nicht nur, sondern ich erlebe es in meinen Beratungen. Immer öfter wünschen sich Menschen weniger zu arbeiten – vor allem zeitlich kürzer. Es geht dabei nicht um weniger Verantwortung, sondern um mehr Sinn, mehr Möglichkeiten Einfluss zu nehmen auf das eigene Tun und das, wenn möglich in 4 Tagen in der Woche. Diejenigen, die diesen Schritt gegangen sind, sagen, dass sie es hätten früher tun sollen. Die Lebensqualität sei sprunghaft angestiegen, auch wenn es für viele eine erhebliche finanzielle Einbuße bedeutet.

Darf man eine Beförderung tatsächlich ablehnen und müssen wir nicht damit rechnen, dass die Chefetage total verschnupft reagiert. Haben wir da überhaupt eine Chance und wie erklären wir unsere Entscheidung dort am besten?

Petra Barsch: Ja, man darf eine Beförderung ablehnen und ich kann jeden nur ermutigen, es zu tun, wenn die neue Aufgabe nicht passt. Vielleicht reagiert der Chef erstmal mit Unverständnis, doch guten Argumenten wird er sich nicht entziehen.

Ist es sinnvoll, sowas mit nur wenigen Menschen zu besprechen, weil bestimmt viele Bekannte oder auch Freunde kein Verständnis haben für so eine Entscheidung? Muss ich dafür nicht besonders selbstbewusst sein?

Petra Barsch: Ich würde es mit wenigen Menschen besprechen und auch erst nachdem ich mir meiner Haltung sicher bin. Oft haben leider Freunde und die Familie kein Verständnis. Leider wird man noch zu oft an der Position, dem Gehalt oder der vermeintlichen Wichtigkeit im Unternehmen gemessen. Mein Haus, mein Boot, mein Auto ist noch in vielen Köpfen präsent. Deshalb reden Sie mit jemandem, der sie kennt, den Sie schön länger nicht gesehen haben. Mir hat einmal eine Studienkollegin gesagt: “Du hast immer gesagt, Büro und ein 9 to 5 Job kommt für Dich nicht infrage. Das musste einfach schief gehen. Ich habe mich gewundert, als ich von deiner Entscheidung für den Job gehört habe.“