Patchwork-Karrieren statt Jobhopper

von | Mrz 7, 2019 | Allgemein | 0 Kommentare

Die gerade angekündigten Entlassungswellen bei der Deutschen Bank, der Hypovereinsbank usw. zeigen deutlich, dass auch bisher sicher geglaubte Arbeitsverhältnisse dies keineswegs sind. Sie stellen uns vor die Frage, wer heute noch auf Langzeitbeschäftigung oder sichere Arbeitsplätze hoffen kann. Zukünftig wird nur noch eine Minderheit der Arbeitnehmer in klassischen Arbeitsverhältnissen stehen. Planbare Karriereschritte, Gehaltsentwicklungen und Arbeitszeiten gehören der Vergangenheit an. Phasen des angestellt Seins, der Selbstständigkeit, Teilzeitbeschäftigung und Nicht-Beschäftigung (Arbeitslosigkeit, Sabbatical, Weiterbildung, Familienphase) werden sich abwechselnd in vielen Lebensläufen wiederfinden. Dazu kommen Wechsel in unterschiedliche Branchen, Funktionen und auch Berufe.

Schon heute sieht sich eine große Anzahl der Berufstätigen mit neuen Situationen konfrontiert. Am Anfang des Berufslebens hangeln sich Hochschulabsolventen von Praktikum zu Praktikum oder tummeln sich in schlecht bezahlten Jobs, die mit dem Studium nicht viel gemein haben; Fach- und Führungskräfte gelten mit 45+ als zu alt. Gleichzeitig geht damit eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Abbau von festen Stellen zugunsten befristeter Arbeitsverhältnisse einher. Das erfordert einen veränderten Umgang mit der eigenen Erwerbsbiografie. Die bisher gängige klassische Karriere wird durch Patchwork-Biografien ersetzt. Hier gilt es für die Zukunft, eigene Karrierewege zu finden und zu gestalten.

Die große Herausforderung für den eigenen Lebenslauf ist das Zusammenbringen der verschiedenen Schritte, Wechsel und Tätigkeiten. Es ist wie das Zusammensetzen eines Puzzles, das Knüpfen eines roten Fadens. Dem Arbeitgeber ein fassbares, nachvollziehbares und glaubwürdiges Berufskonzept zu unterbreiten ist die Herausforderung der Selbst-PR. Es ist aufzuzeigen, welche Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten systematisch aufgebaut und erweitert wurden und welches die universell einsetzbaren Schlüsselqualifikationen sind. Im Vordergrund steht dabei die Frage: Wofür steht der Einzelne? Es geht um die Identifikation mit sich selbst, seinen Werten und Entscheidungen.

Jeder muss heute seine persönlichen Ziele und beruflichen Erfolgskriterien definieren und gezielt verfolgen. Dazu gehört die Erarbeitung und Vermarktung eines persönlichen Profils, wie es heute hauptsächlich Selbstständige kennen. Denn obwohl dies der Karriereweg der Zukunft sein wird, einer Zukunft, die heute bereits begonnen hat, tun sich viele Entscheider immer noch schwer mit Patchwork-Biografien. Branchenwechsel, aber auch Funktionswechsel werden kritisch betrachtet und oft immer noch abgelehnt. Daher ist es unumgänglich diesen roten Faden für sich selbst herauszufinden, denn viele dieser Karrieren verlaufen noch ungeplant, eher zufällig und werden von den „Betroffenen und deren Umwelt“ als hinderlich und als Versagen angesehen. Der selbstbewusste Umgang mit Brüchen im Lebenslauf, das Zusammensetzen des Karrieremusters und die Planung für die weitere berufliche Entwicklung sind die Grundvoraussetzung für die Karriere der Zukunft.

Hinzu kommt eine Neue – bisher eher bei Selbstständigen – bekannte Herausforderung der Selbstvermarktung. Es gilt, sich zu profilieren, zu netzwerken um neue Projekte zu akquirieren und sich in jobfreien Zeiten permanent weiterzubilden.

Selbstbestimmt und eigenverantwortlich

Zu diesen neuen Lebensmodellen gehört ein eigenverantwortlicher Umgang mit den Ressourcen wie Gesundheit, Finanzen und Vorsorge für das Alter. Wie bisher Selbstständigen und auch Zeitarbeitern aus der Erfahrung bekannt ist, verursachen Akquise, permanente Erreichbarkeit, wechselnde Teams und Einsatzorte – Stress.

Hinzu kommt, dass, was bei vielen Beschäftigten noch stark verwurzelt ist, die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ebenfalls ständig wechseln muss? Dass die Enttäuschung über die Beendigung von Arbeitsverhältnissen trotz permanenter stabiler Leistungen nicht so leicht abzuschütteln ist. Wir Menschen sehnen uns nach Stabilität, nach Zugehörigkeit, nach Anerkennung – dies fällt mit den Karrieren der Zukunft hinten runter. Deshalb ist es unerlässlich, sich immer wieder selbst zu motivieren und die persönliche Stärke zu entwickeln. Das erfordert Mut und Ausdauer, denn so interessant und vielfältig diese Leben sind, ist ihre Akzeptanz noch eher selten. Brüche, Wechsel, Ausbrüche und manchmal auch Rückschritte sind schwer erklärbar und für Viele noch wenig nachvollziehbar.

Doch wenn man bedenkt, dass Flexibilität, Kreativität aber auch Anpassungsfähigkeit gefordert werden, dann ist es unerlässlich, sich mit den eigenen Chancen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen, Risiken zu erkennen und zu minimieren und die aktive Gestaltung des eigenen Berufs- und Lebensweges in die Hand zu nehmen.

Ihre
Petra Barsch

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.